Olympus OM-2 – die Kleine feine

Sie schrieb Geschichte und ist eine der kleinsten Spiegelreflexkameras aller Zeiten. Die Olympus OM-2 ist ein Meisterwerk der Feinmechanik und die ideale Kamera für Menschen mit nicht all zu großen 🤲 Händen. Vielleicht ist sie ja auch etwas für dich – lies einfach weiter.

1974 stellt Olympus den Prototypen der OM-2 auf der Photokina in Köln vor. Die OM-2 ist eine Weiterentwicklung der OM-1 und verfügt über einen elektronisch gesteuerten Verschluss, der eine Zeitautomatik (Blendenvorwahl) ermöglicht. Sie schrieb, wie ihre ältere Schwester, Geschichte, denn sie ist als erste SLR Kamera der Welt mit einer autodynamischen Messsteuerung ausgestattet.

Das erstaunliche an der OM-2 ist, dass sie trotz ihrer technischen Neuerungen, genauso klein blieb wie die OM-1. Und genau das macht sie in meinen Augen auch heute noch zur idealen Begleiterin.

Denn aufgrund ihrer extrem soliden Verarbeitung und ihrer langen Bauzeit (inkl. der leicht überarbeiteten 1979 erschienen OM-2 N) wurde sie von 1975 bis 1987 gebaut, lassen sich heute noch viele funktionstüchtige Exemplare auf dem Gebrauchtmarkt finden. Für 80,- bis 180,- Euro, je nach Zustand und mitgeliefertem Objektiv bekommt man eine der bestdurchdachtesten und schönsten Kameras die je gebaut wurden.

Fotos der Olympus OM-2 

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Steckbrief

Bauart:
Spiegelreflex Kamera für 35 mm Filme
Baujahr: 
1975 – 1979
Objektiv:
OM-System
ASA/ISO:
50 – 1600
Verschluss:
Tuch-Schlitzverschluss, 1 – 1/1000 Sek. und Bulb
Belichtungsmesser:
TTL mit autodynamische Messsteuerung, Belichtungskorrektur ± 2 Blendenstufen in Intervallen von 1/3-Stufen
Fokussierung:
Manuel, Mikroprismenring mit Schnittbildindikator
Sucher:
Bildfeld 97 %, Einblendung der Belichtungszeitskala im Zeitautomatik-Modus, Nadelindex für Über- bzw. Unterbelichtungen mit + und – gekennzeichnet im Manuellen-Modus
Modi:
Manuell, Zeitautomatik
Maße Gehäuse:
136 x 83 x 50 mm, 520 g
Batterie:
2 x SR 44
Extras:
wechselbare Einstellscheibe, Selbstauslöser 4 und 12 Sek.

Design, Ausstattung und Funktionen

Was aber macht die Kamera so besonders? Zum einen natürlich ihre Kompaktheit. Sie war bei Markteinführung gemeinsam mit der OM-1 die kleinste Kleinbild SLR der Welt. Nimmt man sie zum ersten mal in die Hand überrascht einen ihr nicht geringes Gewicht: Der Body und alle Bedienelemente (bis auf den Betriebsarten-Schalter) sind aus Metall gefertigt.

Die OM-2 hat einen traumhaften Sucher – er ist groß, hell, übersichtlich und bildet 97%! des realen Bildes ab. Je nach gewähltem Modus (MANUAL oder AUTO) wird links unten im Sucher ein Nadelindex mit +/- oder eine Belichtungszeitskala mit einer Anzeigennadel eingeblendet. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die gewählte Blende nicht in den Sucher eingespiegelt wird und man sich diese entweder merken oder die Kamera wieder vom Auge nehmen muss, um die Blendeneinstellung zu überprüfen. Andererseits bleibt der Sucher so extrem übersichtlich und man kann sich ganz auf die Bildkomposition konzentrieren. Der Mikroprismenring mit Schnittbildindikator erleichtert das Fokussieren auch in schwierigen Lichtsituationen.

Sucher im manuellen Modus mit +- Indexnadel – steht die Nadel mittig, wird dein Foto korrekt belichtet.

Sucher im Auto-Modus – hier zeigt dir die Kamera an, welche Zeit sie passend zu deiner Blendenwahl benutzen wird.

Man kann die Kamera in zwei verschiedenen Betriebsmodi bedienen.

Manuell (MANUAL): Hier stellt man Zeit und Blende manuell ein und kann diese Einstellungen über den Nadelindex im Sucher kontrollieren. Pendelt sich die Nadel in der Mitte ein, wird das Foto korrekt belichtet. Zeigt sie nach oben in den + Bereich droht eine Überbelichtung, zeigt sie nach unten in den – Bereich eine Unterbelichtung. Mit dieser Einstellung hat man die volle Kontrolle über die Belichtungseinstellungen und gerade für Anfänger*innen ist diese Einstellung von Vorteil, denn mit ihr kannst du das Zusammenspiel von Zeit- und Blendeneinstellung wunderbar lernen.

Stellt man den Programmschalter auf AUTO, schaltet sich die Kamera in den Zeitautomatik-Modus. Das heißt, du wählst manuell die Blende vor und die Kamera stellt die passende Belichtungszeit zur gewählten Blende automatisch ein und zeigt diese im Sucher an. Dies bedeutet, dass man beim Fotografieren die volle Kontrolle über die Schärfentiefe behält und gleichzeitig etwas schneller agieren kann als wenn man auch die Belichtungszeit noch manuell einstellen müsste.

Für schwierige Belichtungssituationen (beispielsweise Aufnahmen im Schnee, Personen im Gegenlicht etc.) bietet die OM-2 eine Belichtungskorrektur von ± 2 Blendenstufen.

Die OM-2 ist auch für Selfies geeignet, sie verfügt über einen Selbstauslöser, den man wahlweise auf 4 oder 12 Sekunden einstellen kann.

Und damit hat sie wirklich alles, was man von einer gut ausgestatteten Kleinbild SLR erwarten sollte.

Die Handhabung oder alle Macht dem Objektiv

Wie schon erwähnt, einer der größten Vorzüge der Kamera ist ihre Kompaktheit und ihre hochwertige Verarbeitung. Sie wiegt mit einem 50mm Standardobjektiv ca. 740g, liegt stabil in den Händen und erzeugt ein Gefühl von Wertigkeit.

Ungewöhnlich: Da, wo bei anderen SLR’s der Blendenring sitzt, stellst du bei der Olympus OM-2 die Belichtungszeit ein.

In einem Detail unterscheidet sie sich von vielen SLR´s, und das ist das Einstellen der Belichtungszeit. Während bei den meisten Kameras die Belichtungszeit mittels eines Knopfes oben auf dem Kameragehäuse eingestellt wird, stellt man die Zeit bei allen OM-Kameras am Objektiv, genauer gesagt am Objektivanschluss, ein. So verfügt die OM-2 über drei Objektiv-Einstellringe – ganz hinten am Gehäuse wird die Zeit eingestellt, in der Mitte der Fokus und ganz vorne die Blende.

Das ist, wenn man andere SLR´s gewöhnt ist, anfänglich etwas irritierend. Ich persönlich finde das Funktionsprinzip, alle Belichtungseinstellungen auf der selben Bedienungsachse mit der selben Hand vorzunehmen, ziemlich genial, denn es fügt sich wunderbar in meinen Workflow.

Videos zur Olympus OM-2

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Problemzonen

Obacht beim Zurückspulen

Neben der ungewöhnlichen Belichtungszeiteinstellung gibt es ein weiteres Funktionsdetail, dem man besondere Aufmerksamkeit schenken sollte, und das ist die Entriegelung für das Filmrückspulen. Während die meisten SLR’s mittels eines Knopfes am Kameraboden entriegelt werden, entriegelt man die OM-Kameras über einen kleinen Drehschalter, der sich oberhalb des Hebels für die Selbstauslösung auf der linken Frontseite der Kameras befindet. Dreht man diesen Schalter waagerecht (der rote Punkt zeigt auf das R und den Pfeil) lässt sich der Film mittels der Rückspulkurbel zurückspulen. Beim Fotografieren muss der Schalter exakt senkrecht stehen. Man darf also nicht vergessen, ihn nach dem Spulvorgang zurückzustellen, und man sollte auch beim Fotografieren immer mal wieder überprüfen, ob der Schalter genau auf »Zwölfuhr« steht. Denn schon eine kleine Abweichung führt schon dazu, dass der Film nicht mehr richtig transportiert wird und es so zu ungewollten Doppelbelichtungen kommt.

Hilfe, der Spiegel bleibt oben

Löst man die OM-2 ohne oder mit zu schwacher Batterie aus, klappt der Spiegel hoch aber nicht wieder runter. Hierfür hat die Kamera eine spezielle Reset-Einstellung. Dafür drehst du den Zeitwahlring auf B. Damit du überhaupt bis B drehen kannst musst du zusätzlich noch einen kleinen Knopf zum Entriegeln drücken. In dem Moment wo die Kamera auf B steht klappt auch der Spiegel wieder runter.

Entriegele die B-Stellung des Zeitwahlraings mittels des kleinen Knopfes.

Auch darauf solltest du achten

Neben den üblichen Dingen, die du beim Kauf einer Gebrauchtkamera beachten solltest (Lies auch hierzu: 7 Problemzonen bei analogen Kameras, die du kennen solltest), probiere beim Check einer OM-2 auf jeden Fall aus, ob sich durch das Verstellen des Modischalters die verschiedenen Belichtungsmesseranzeigen (Nadelindex bzw. Belichtungszeitskala) einblenden.

Und wirf auch einen kritischen Blick in den unteren Teil des Suchers. Hier entstehen häufig unschöne Flecken durch sich auflösende Schaumstoffteile rund um das Dachkantprisma.

Unschöne Flecken im Sucher, die im Zweifel im Laufe der Zeit größer werden.

Fazit

Willst du eine kleine und sehr gut verarbeitete Spiegelreflexkamera und hast du Lust, dich auf ein etwas anderes Bedienungskonzept einzulassen, dann ist die OM-2 eine sehr gute Wahl. Denn sie bietet alles was eine gut ausgestattete SLR bieten sollte, und kommt dabei elegant und hochwertig daher. Außerdem gibt es für die OM´s sehr viele gute und auch erschwingliche Objektive. Preistendenz ist je nach Zustand und mit Standardobjektiv (50mm f 1,8) zwischen  € 100,- und € 200,-.