Sieben Minox 35 Kameras in einer Reihe vor einer blauen Wand.
Sieben Minox 35 Kameras in einer Reihe vor einer blauen Wand.

Die Minox 35 GT und ihre Schwestern oder
warum jede*r eine haben sollte

Du möchtest eine analoge Kompaktkamera kaufen? Dann möchte ich dir die Minox 35 ans ❤️ legen. In diesem Review stelle ich dir verschiedene Modelle der Minox 35 vor, die immer noch gut auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich sind. Ich erkläre dir, wie sie sich voneinander unterscheiden, gebe dir drei Kaufempfehlungen und beschreibe auch, worauf du beim Kauf achten solltest.

Liebeserklärung an eine immer-dabei-Kamera

Ich bin ein großer Fan dieser Kameras. Sie sind so klein und leicht, dass man sie wirklich immer dabeihaben kann. Sie sind einfach zu bedienen und sie haben eine erstaunlich gute Abbildungsleistung. Ich bin immer wieder überrascht, welche Bildergebnisse diese Winzlinge produzieren.

Ferner fotografiere ich gerne mit ihnen, weil sie angenehm in der Hand liegen – leicht, aber nicht billig und ihr Sucher ausreichend groß und hell ist. Im Gegensatz zur Rollei 35 tue ich mich bei der Minox 35 auch nicht schwer beim Fokussieren. Bei der Rollei liege ich immer wieder mal daneben, bei der Minox praktisch nie.

Und ich liebe ihr Design. Die Form ist zeitlos und das Makrolon, aus dem die Kameras gemacht sind, fasst sich angenehm an. Die verschieden farbigen Auslöser sind die 🍒 auf der Sahne oder so, du weißt schon …

Fotos von Minox 35 Kameras

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Eine Kamera möglichst nicht größer als eine Zigarettenschachtel

Das war die Aufgabe, der sich das Entwicklerteam rund um die Minox 35 ab 1972 stellte. Denn Anfang der 1970er-Jahre ließen die Verkäufe der Kleinstbildkameras, für die Minox weltweit berühmt war, merklich nach. Also hoffte man durch eine weitere Innovation das Geschäft neu zu beleben.

Die Minox B Kleinstbild- und Spionagekamera für die Minox weltberühmt wurde.

Und diese Innovation sollte in Form einer Sucherkamera für den Kleinbildfilm, die möglichst nicht größer als eine Zigarettenschachtel war, daherkommen. Das Kunststück gelang. Nach nur gut zwei Jahren Entwicklungszeit konnte die Minox 35 EL der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Minox 35 EL – die Sensation auf der photokina 1974

Die erste aller Minox 35 Kameras, die Minox 35 EL

Und die Öffentlichkeit staunte nicht schlecht über die 10 cm breite, 6,1 cm hohe und 3,1 cm tiefe Kamera, die wie eine Zigarettenschachtel, in jede Hemdtasche passte, ohne Batterie nur 190 g wog und trotzdem mit einem 35 mm Film zu laden war. Sie löste als kleinste Kleinbildkamera der Welt die Rollei 35 ab und ihr Siegeszug hielt bis zur letzten Version, der Minox GT-S (1998 – 2001), bis ins neue Jahrtausend.

In dieser fast 30-jährigen Produktionszeit gab es insgesamt 21 unterschiedliche Modelle der Minox 35. Minox arbeitete nicht nur an der technischen Verbesserung der Kamera, sondern mit etlichen Sonderserien auch am Aufrechterhalten ihres Kultstatus.

Im Folgenden werde ich nicht weiter auf diese Sonderserien und Kleinauflagen, wie die Minox 35 GT (Golf/Sport/Decade Edition), die Minox 35 Goldknopf, die Minox 35 MB Touring, die Minox 35 M•D•C oder die M•D•C Collection eingehen. Sondern ich werde mich auf die Minox 35 beschränken, die heute noch zu erschwinglichen Preisen gehandelt werden.

Gemeinsamkeiten aller Minox 35 Kameras

Bevor ich auf die einzelnen Modelle und ihre Besonderheiten eingehe, möchte ich noch einen Blick auf die Gemeinsamkeiten der hier vorgestellten Kameras werfen. Diese stellen sich wie folgt dar:

1. Alle Minox 35 sind Sucherkameras – sie verfügen also über keinen Entfernungsmesser – die Entfernung zum Motiv wird nach Schätzwert am Objektiv eingestellt.

Minox 35 von vorn

2. Die Kameras benötigen eine Batterie, denn sie werden elektronisch gesteuert. Das Batteriefach befindet sich vorne rechts neben dem Sucher.

Minox 35 Schrägansicht von vorne mit geöffneter Klappe.

3. Das Objektiv ist versenkbar und wird durch das Herunterklappen der Frontklappe in Position gebracht.

Minox 35 von hinten betrachtet

4. Das Filmtransportrad muss zweimal bis zum Anschlag gedreht werden, um den Film zum nächsten Bild zu transportieren und den Verschluss zu spannen.

Minox 35 von vorn mit Pfeil auf die Messdiode im Objektiv.

5. Die Messzellen für den Belichtungsmesser sind am Außenring des Objektivs untergebracht.

Minox 35 Kameraboden

6. Am Kameraboden befinden sich der Hebel zum Entsichern der Rückwand (die als Ganze abgenommen wird), das ASA/ISO Einstellrad, ein Stativgewinde und der Entsperrknopf um den Film zurückzuspulen.

Minox 35 von oben betrachtet.

7. Auf der Oberseite der Kameras befinden sich die Rückspulkurbel, der Blitzschuh, ein Batterietestknopf, der Auslöser und das Bildzählwerk.

Minox 35 EL (1974 – 1979)

Die Mutter aller Minox 35 Kameras ist, wie (fast) alle ihre Nachkömmlinge, ein Zeitautomat. Du stellst also am Blendenring des Objektivs eine Blende ein und die Kamera ermittelt, die dazu passende Belichtungszeit selbst. Und das in einem Bereich zwischen 1/500 und 30 Sekunden.

Sie ist, auch wie fast alle folgenden Kameras, mit einem 35 mm 1:2,8 Tessar (4 Linsen in 3 Gruppen) ausgestattet, welches auf den Namen Color-Minotar hört. Die Naheinstellgrenze dieses Color-Minotar ist 90 cm.

Die Minox 35 EL verfügt über einen ISO-Bereich von 25 bis 800. Leider können an der EL die ISO-Werte nur ganzen Schritten eingestellt werden. Ihre Blitzsynchronzeit liegt bei 1/30 Sekunde. Sie hat einen roten Auslöser mit Gewinde für einen Drahtauslöser und sie wurde für die quecksilberhaltige PX27 Batterie gebaut.

Das Batterieproblem, das ein ganz anderes ist 😳

Normalerweise haben wir bei den alten, heute verbotenen quecksilberhaltigen Batterien immer das Problem, dass sie ungewöhnliche Spannungen haben. Die PX27 hat auch beispielsweise 5,6 Volt. Doch bei der Minox 35 ist das glücklicherweise kein Problem. Denn die Minox 35 ist mit einer Schutzdiode ausgestattet, die dafür sorgt, dass der Belichtungsmesser auch dann richtig misst, wenn man die Kamera mit 6 Volt (4 LR44 oder 2 CR-1/3N) bestückt.

Das Batterieproblem fast aller Minox 35 Kameras ist, dass ihr Batteriefach aus Metall ist. Steckt man in dieses eine nicht ummantelte Batterie, kommt es zu einem Kurzschluss und im schlechtesten Fall schrottet man damit die Elektronik der Kamera.

Minox war sich dieses Problems irgendwann bewusst und lieferte die späteren Modelle der Minox 35 mit einem Körbchen aus, in das man seine Knopfzellen schön stapeln konnte.

Batteriekörbchen in das 4 (LR44) oder 2 (CR-1/3N) Knopfzellen passen.

Die einfache Lösung

Falls deine Kamera nicht mit so einem Körbchen bestückt ist, besorgst du dir einfach ein Textilklebeband – das 2 cm breite Gewebeband von Tesa passt beispielsweise perfekt. Von dem schneidest du ein 4 cm langes Stück ab und wickelst die LR44 oder CR-1/3N darein. Problem gelöst 😎.

Mit Textilband umwickelte Knopfzellen

Achtung! Falls du denkst, dass du dir das Geklebe sparen kannst, indem du einfach eine 4LR44 Batterie bestellst, vergiss es, die passt leider nicht 🙃.

Minox GL von vorne

Minox 35 GL (1980 – 1981)

Folgendes wurde verbessert/verändert

  1. Die Blitzsynchronzeit wurde auf 1/125 verkürzt.
  2. Ein Gegenlichtschalter (2x) wurde integriert.
  3. Der Schnellspannhebel ist breiter geworden.
  4. Bei den ISO-Werten sind Zwischenschritte möglich.
  5. Abdeckplättchen für den Blitzschuh
  6. Der Auslöser ist orange
Minox 35 GT von vorne mit geöffneter Klappe.

Minox 35 GT (1981 – 1991)

Die GT war mit Abstand das erfolgreichste Model aller Minoxen. Von ihr wurden 652.917 Stück produziert und sie ist auch meine erste Kaufempfehlung für dich. Warum, weil einfach sehr viele zum Kauf angeboten werden und die Preise daher eher moderat sind. Meine Tipps zum Kauf einer Minox 35 findest du übrigens weiter unten.

Veränderungen/Verbesserungen:

  1. Selbstauslöser, dessen 10-sekündige Vorlaufzeit wird über eine rote LED links neben dem Sucher angezeigt.
  2. Eigenes Gewinde für den Drahtauslöser neben dem sonnengelben Auslöser.
  3. Der Schnellspannhebel ist noch breiter geworden.
  4. Neuere GTs ab ca. 1985 haben einen ISO-Wert bis 1.600
  5. Aufdruck eines silbrig-weißen Punktes auf der Rückspulkurbel – vielleicht, damit man besser sieht, ob der Film ordnungsgemäß transportiert wird 🤷.
  6. Der Typ (35 GT) ist jetzt auch hinter der Frontklappe aufgedruckt.
Minox 35 PL

Minox 35 PL (1982 – 1987)

Wem das mit der Zeitautomatik zu kompliziert war, der konnte ab 1982 zur ersten Minox 35 mit Programmautomatik greifen. Beim Fotografieren ohne Blitz dreht man den Blendenring am Objektiv auf A und die Kamera bestimmt die Blende und Belichtungszeit von selbst.

⚠️ Wichtig! Die manuelle Blendenvorwahl am Objektiv ist nur für den Betrieb mit Blitz ⚡️ gedacht.

Veränderungen/Verbesserungen:

  1. Rote Warndiode im Sucher und oben auf der Kamera, wenn die Belichtungszeit unter 1/30 liegt und die Gefahr von Verwacklung besteht.
  2. Der Batterietestschalter lässt jetzt eine grüne Diode auf oben links vor dem vorderen Rand des Blitzschuhs leuchten.
  3. Die Taste für den Selbstauslöser rutschte nach hinten, rechts neben dem Okular.
  4. Die Filmempfindlichkeit hat als höchsten Wert ISO 400. Eine Einschränkung, die der Programmautomatik geschuldet ist, welche von Blende 16/1/500 Sekunde bis 2,8/4 Sekunden bei ISO 100 reicht. Längere Zeiten sind möglich: 15 Sekunden bei ISO 25 und 1 Sekunde bei ISO 400, bloß kürzer geht es nicht.
  5. Ihr Auslöser ist grün.
Minox 35 ML von vorne

Minox 35 ML (1985 – 1995)

Die Minox 35 ML kommt eckiger daher. Auch wenn sie vielleicht nicht ganz so formschön wie ihre Schwestern ist, ist sie trotzdem meine Kaufempfehlung Nummer zwei. Denn sie verfügt als erste aller Minoxen sowohl über eine Zeit- als auch Programmautomatik, was sie flexibler macht. Außerdem benötigt sie eine handelsübliche PX 28 6V Batterie. Was die Gefahr des Kurzschlusses durch »nackte« Knopfzellen ausschließt.

Veränderungen/Verbesserungen:

  1. LED Anzeige für die Belichtungszeit oben im Sucher – für Brillenträger*innen nicht ganz so gut zu sehen.
  2. Batterieschublade ohne Gewinde
  3. Belichtungsmesser wird durch Antippen des Auslösers aktiviert – dient gleichzeitig auch als Messwertspeicher.
  4. Die Filmempfindlichkeit geht von ISO 25 bis ISO 1600.
  5. Im Programmmodus zeigt eine zweite Diode zusätzlich eine etwaige Über- oder Unterbelichtung an.
  6. Die Helligkeit der Diode wird über einen zweiten CDS-Sensor an die Umgebungshelligkeit angepasst.
  7. Die Wickelspule wurde überarbeitet. Der silberne Clip, unter den der Filmanfang geschoben werden musste, wurde durch einen Kunststoffclip ersetzt, sollte das Filmeinlegen erleichtern.
  8. Der orangefarbene Auslöser wurde vergrößert und ergonomisch umgeformt.
Minox MB von vorne

Minox 35 MB (1986 – 1988)

Die MB ist eine abgespeckte ML – ohne Programmautomatik. Ihr Auslöser ist rot.

Eine weiße Minox 35 AL von vorne

Minox 35 AL (1987 – 1988)

Die Minox 35 AL ist die am einfachsten ausgestattete aller Minox 35. Außerdem ist sie die erste Minox 35, die es nicht nur in Schwarz, sondern auch in Weiß gab. Obwohl fast so viele Weiße (37.200) wie Schwarze (44.468) produziert wurden, sind die Weißen heute viel seltener zu haben und das macht sie auch gleich viel teurer.

Veränderungen/Verbesserungen:

  1. Aus dem Color-Minotar ist ein Fixfokus Color-Minar 1:4 Objektiv geworden.
  2. Die Blendeneinstellung erfolgt über Symbole: Sonnig, bedeckt, bewölkt.
  3. Einstellung der Blende/Entfernung für den Blitz ebenfalls über Symbole: 1 Männchen, 2 Männchen, 3 Männchen.
  4. Verschlusszeiten von 1 Sekunde bis 1/300 Sekunde.
  5. ISO-Einstellung 100, 200, 400 am Objektiv über eine Schlitzblende
  6. Die Gegenlichttaste liegt wieder auf dem gleichen Platz wie bei der EL.
  7. Im Sucher eine rote LED für die Batterieprüfung und für die Über- und Unterbelichtungswarnung.
  8. Der Auslöser der schwarzen Exemplare ist weiß, der der weißen Exemplare ist rot.
Minox 35 GT-E von vorne

Minox 35 GT-E (1988 – 1993)

Obwohl man sich an das 80er-Jahre-Design der GT-E ein bisschen gewöhnen muss, ist sie meine dritte Kaufempfehlung. Denn sie hat von allen hier vorgestellten Kameras das beste Objektiv. Außerdem ist sie die letzte aller Minox 35 Kameras, von der noch ordentlich viele produziert wurden (59.745 Stück) und die deshalb heute auf dem Gebrauchtmarkt auch noch zu finden ist. Die Minox 35 GT-E ist wieder ein reiner Zeitautomat.

Veränderungen/Verbesserungen:

  1. Das Objektiv ist ein mehrfach vergütetes MC-Minoxar mit eingebauten Skylightfilter und einer Naheistellgrenze von 70 cm.
  2. Die Filmempfindlichkeit geht von ISO 25 bis ISO 1600.
  3. Das Objektiv ist durch den Filter einen Hauch länger geworden, was zur Folge hat, dass die Frontklappe etwas bauchiger ist.
  4. Eingeprägter Minox-Schriftzug in der Frontklappe; roter Minox-Schriftzug auf der rechten Frontseite.
  5. Der Auslöser und der Blendenring sind rot.
  6. Alle Bedienelemente sind beschriftet.
  7. Die Typenbezeichnung steht oben links neben dem Bildzählwerk.
  8. Auf dem Gehäuse sind Griffnoppen angebracht.

Darauf musst du beim Kauf einer Minox 35 achten

Okay, ich will ehrlich mit dir sein, die Minox 35, egal welcher Typ, ist wirklich eine fantastische kleine Kamera, aber ihre Konstruktion, insbesondere bei den frühen Modellen, ist nicht fehlerfrei. Ich rate dir daher, eine Minox 35 nur bei professionellen Händlern zu kaufen, denn dort kannst du die Kamera immer innerhalb von 14 Tagen zurückgeben.

Schwachstellen, die du im Auge behalten solltest:

  1. Funktioniert der Verschluss?
  2. Abgeriebene ISO Beschriftung
  3. Verölte Blendenlamellen
  4. Blende lässt sich nicht ganz schließen
  5. Kaputtes Bildzählwerk

Lagerung der Minox 35

Irgendwo habe ich gelesen, dass man die Kameras mit Batterie und in gespanntem Zustand lagern soll. Keine Ahnung, ob das stimmt. Schaden kann es nicht. Wobei du dann natürlich darauf achten musst, dass die Batterien nicht irgendwann auslaufen. Obwohl so lange bis die Batterien auslaufen, sollte eh keine Kamera ungenutzt rumliegen 😎.